Die Wurzeln des Projekts liegen in persoenlichen Erfahrungen im aussereuropaeischen Ausland. Waehrend mehrerer Auslandsaufenthalte lernte Volker Dettmer verschiedene Kulturen kennen und erlebte eine tiefe Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die Fremden unabhaengig von Religion oder ethnischer Zugehoerigkeit zuteilwurde. Diese praegenden Erlebnisse hinterliessen einen bleibenden Eindruck.
Als im Jahr 2015 viele Menschen mit Fluchterfahrung nach Deutschland kamen und gleichzeitig die ablehnenden, lautstarken Stimmen und Hetze in der Gesellschaft zunahmen, entstand der Entschluss, aktiv zu werden. Geleitet von der Frage, was er seinen Kindern spaeter einmal antworten moechte, wenn sie fragen: "Papa, was hast du damals eigentlich getan?", entschied er sich, nicht tatenlos zuzusehen.
Er wollte den ankommenden Menschen ein echtes Willkommenserlebnis und die gleiche Gastfreundschaft entgegenbringen, die er selbst im Ausland erfahren durfte. Dies fuehrte ihn 2015 zum Rathaus in Bad Schwartau, um seine ehrenamtliche Unterstuetzung anzubieten.
Die Stadt Bad Schwartau finanzierte ihm daraufhin eine dreimonatige, umfassende Schulung, die vom Bundesamt fuer Migration und Fluechtlinge (BAMF) gefoerdert wurde. In diesem Kurs wurde wichtiges Fachwissen vermittelt: laenderspezifische Fluchthintergruende, rechtliche Rahmenbedingungen von Aufenthaltsgestattungen und -genehmigungen, behoerdliche Zustaendigkeiten sowie die sensible Gespraechsfuehrung als ehrenamtlicher Helfer. Diese fundierte Ausbildung, die es in dieser Form heute leider nicht mehr gibt, legte den Grundstein fuer eine kompetente und zielgerichtete Begleitung.
Ausgeruestet mit diesem Wissen startete Volker Dettmer seine ehrenamtliche Arbeit und unterstuetzte fortan zahlreiche gefluechtete Menschen sowohl in Gemeinschaftsunterkuenften als auch bei der Vermittlung und Betreuung in eigenem Wohnraum.
Waehrend seiner Taetigkeit in verschiedenen Gemeinschaftsunterkuenften stiess er schnell auf ein zentrales Problem: Die dort lebenden Menschen hatten keinen adaequaten Zugang zum Internet. Da sie in einer Notunterkunft keinen eigenen Vertrag abschliessen konnten, waren sie auf teures Mobilfunk-Datenvolumen angewiesen, das extrem schnell aufgebraucht war.
Mit Genehmigung der zustaendigen Stellen im Rathaus der Stadt Bad Schwartau liess Volker Dettmer schliesslich den ersten DSL-Anschluss in einer Gemeinschaftsunterkunft schalten. Die monatlichen Kosten wurden solidarisch unter den Bewohnern aufgeteilt, die das Internet nutzten. Dieser erste Anschluss war ein voller Erfolg - fuehrte jedoch sofort dazu, dass Bewohner anderer Unterkuenfte ebenfalls beim Rathaus anfragten, dorthin verlegt zu werden.
Um eine faire Loesung fuer alle zu schaffen, erhielt er die offizielle Erlaubnis, in saemtlichen Gemeinschaftsunterkuenften der Stadt Bad Schwartau eigene Anschluesse zu installieren. Die Abrechnung erfolgte nach demselben genossenschaftlichen Prinzip. Dank einer technischen Zugangsloesung wurde sichergestellt, dass nur diejenigen Bewohner Zugriff erhielten, die sich auch an den monatlichen Kosten beteiligten.
Durch den Erfolg dieses Modells aufmerksam geworden, trat bald darauf die Nachbargemeinde Stockelsdorf an Volker Dettmer heran. Nach einer offiziellen Ausschusssitzung wurde beschlossen, das Konzept auch dort in den Gemeinschaftsunterkuenften zu implementieren. Die Stadt Bad Schwartau und die Gemeinde Stockelsdorf schlossen dazu klare Nutzungsvereinbarungen ab, die unter anderem die technischen Pflichten und die Pflicht zum ordnungsgemaessen Rueckbau nach Betriebsende regelten. Die Bewohner erhielten so stabilen Zugang auf Geraetebasis gegen einen fairen Unkostenbeitrag.
Durch das erfolgreiche Engagement in Bad Schwartau und Stockelsdorf wurden auch politische Vertreter in Luebeck auf das Konzept aufmerksam. Sie brachten einen Antrag in den Luebecker Ausschuss ein, um eine aehnliche Versorgung in den dortigen Unterkuenften zu pruefen. Dies fuehrte zu einer intensiven politischen Debatte ueber Ausschreibungsverfahren. Ein daraufhin beauftragtes Consulting-Unternehmen erstellte eine Machbarkeitsstudie und fragte sechs etablierte Provider an. Das Ergebnis war eindeutig: Keiner der Anbieter sah sich in der Lage, das Projekt in diesem Rahmen umzusetzen. Sie forderten jeweils fuenfstellige Betraege allein fuer die Einrichtung der Infrastruktur, hohe laufende Betriebskosten und lehnten die Abrechnung (das Inkasso) direkt mit den Bewohnern komplett ab.
Da es keine vergleichbare Alternative gab, einigte sich der Ausschuss in Luebeck schliesslich auf einen Beschluss, der Volker Dettmer mit der Umsetzung beauftragte. Um das Vorhaben rechtlich und steuerlich korrekt aufzustellen, wurde das Projekt internetfor.me ins Leben gerufen. Gleichzeitig wurde ein massgeschneidertes Abrechnungs- und Loginsystem entwickelt: Nutzer koennen sich eigenstaendig einloggen, um ihre getaetigten Zahlungen einzusehen und ihre Zugaenge selbst zu verwalten. Kurz nach dem Beschluss wurden alle vereinbarten Unterkuenfte in Luebeck erfolgreich angebunden und von den Bewohnern dankbar angenommen.
Inzwischen ist das Projekt weit ueber die urspruenglichen Stadtgrenzen hinaus bekannt. Auch andere Staedte wie Kiel, Reinfeld und Teile von Hamburg haben Interesse gezeigt oder das Konzept bereits erfolgreich in Kooperation umgesetzt. Das ueber die Jahre gesammelte Know-how hilft heute dabei, potenzielle Probleme fruehzeitig zu erkennen und praeventiv zu loesen. Das Projekt bietet noch erhebliches Potenzial fuer zukuenftiges Wachstum.
Im Zuge dieses Wachstums hat sich das Leistungsspektrum stark professionalisiert und wurde auf die freie Wirtschaft ausgeweitet. Heute bietet internetfor.me professionelle IT- und Vernetzungskonzepte für Gastronomieunternehmen, Hotelbetriebe sowie Yachanlagen und Yachthäfen an.
Gleichzeitig vertrauen auch städtische Träger in ihren Unterkünften auf die hochentwickelte Infrastruktur des Projekts. Für diese wurden hochsichere Funkstrecken und verschlüsselte Datenübertragungen über Glasfaser realisiert. Um eine lückenlose Erreichbarkeit zu garantieren (u. a. für Notrufsysteme und die Anbindung des Lübecker Wachunternehmens), setzt das Projekt auf maximale Redundanz: Ausfallsichere Internetverbindungen werden parallel über Glasfaser, DSL und Funkstrecken aufgebaut und durch unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) vor kurzzeitigen Stromausfällen geschützt.